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„Die Nacht vor Weihnachten“ feiert begeisterte Premiere im Nationaltheater

Die Nacht vor Weihnachten 2025, T. Akzeybek und E. Semenchuk - Foto: Geoffroy Schied

Ende November feierte mit der zweiten Neuproduktion dieser Spielzeit im Nationaltheater Nikolai Rimski-Korsakows „Die Nacht vor Weihnachten“ Premiere.

Es ist diese eine besondere Nacht im Winter: Die ukrainische Dorfbevölkerung besingt die Geburt des Heilands und gleichzeitig ist es die Nacht der Wintersonnenwende. Genau dann wenn die reale Welt durchlässig wird für Geister und Dämonen. Ein Dorf-Teufel (schön hinterhältig und beschwingt Tansel Akzeybek), will sich an dem Schmied Wakula (Sergey Skorokhodov, getrieben und verliebt mit Heldentenor) rächen und dessen Liebe zur schönen Oksana verhindern. Oksana (sinnlich und leidenschaftlich mit beeindruckender Stimme Elena Tsallagova) ist auch kein leichter Charakter. Unverblümt und keck wünscht sie sich die extravaganten Schuhe der Zarin (Violeta Urmana schwebt majestätisch über der Szene). Die Erzählung um die junge Liebe wird mit mystischen und folkloristischen Elementen verwebt. Die Hexe Solocha (Ekaterina Semenchuk hält spielerisch die Personen auf der Bühne zusammen) wiederum unterhält eine ganze Reihe an Herrenbesuchen, allesamt amtliche Würdenträger des Dorfes, die der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Diese Würdenträger werden vom Kostüm her mit großen runden Bäuchen dargestellt, die eher wie Abziehbilder aus einem Comic wirken. So werden sie innerhalb der sonst stimmigen Kostüme zu einem Fremdkörper. Zum Ausgleich sorgen sie für den einen oder anderen Lacher.

Die Nacht vor Weihnachten 2025, D. Ulyanov M. Siljanov. Ein Schneesturm wird poetisch mit Papierkonfetti dargestellt. – Foto: Geoffroy Schied

Die Musik erinnert in den orchestralen Teilen durchaus an die Musik von Richard Wagner und gleichzeitig ist sie doch ganz anders. Mal poetischer, mal lyrischer und genauso plakativ und ins Derbe gehend, wenn ukrainische Volkslieder zitiert werden. Das ergibt eine betörend märchenhafte Musik, die vielleicht die Klangwelt des 20. Jahrhunderts vorausahnt.

Einen eigenen Charme hat auch die Inszenierung von Barrie Kosky, der bereits zum siebten Mal an der bayerischen Staatsoper inszeniert. Das große Aufgebot an ChorsängerInnen stellt große Ansprüche an die Personenregie. Da unterstützt das Bühnenbild, das den Chor auf drei Ebenen verteilen hilft. Weil die Chorsänger und Sängerinnen auch alle in die Spielszenen eingebunden werden, passiert auf der Bühne immer etwas, oft auch an zwei oder drei verschiedenen Orten. So können gar keine Längen entstehen. Auch sind viele kleine Szenen und Momente eingearbeitet, die in ihren Details eigene Geschichten erzählen.

Die Nacht vor Weihnachten 2025, E. Tsallagova im Kampf gegen die Dämonen – Foto: Geoffroy Schied

Besonders beeindruckend neben dem großen Chor sind auch drei längere Ballettszenen und ein akrobatischer Seilakt mit zwei Künstlerinnen. Das starke Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski unterstützt mit der eindrucksvollen Musik besonders die angenehm langen Teile ohne Gesang. Hier kann sich der Zuschauer zurücklehnen und genießen. Das Stück lebt von fantastischen und teilweise selten gehörten Orchesterfarben. Das heißt bei weitem nicht, das die Gesangspassagen schlecht wären. Im Gegenteil: Auch hier überzeugt das Ensemble in Gesang und Spiel. Die Zuschauer sind begeistert von dem Gesamtkunstwerk, das eine eher unbekannte Oper in München neu vorstellt.

Text: Joachim Skambraks, Die Stimme Bayerns – Chefredaktion
Fotos: Geoffroy Schied

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