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2. Februar 2026Faust als Oper im Nationaltheater in München
Faust, K.Ketelsen - Foto Geoffroy Schied
Anfang Februar 2026 feierte eine weitere Neuproduktion eine bemerkenswerte Premiere in München: Die Oper „Faust“ von Charles Gounod nach der berühmten Goethe-Vorlage in der Inszenierung von Lotte de Beer. Erstmals am Pult des Bayerischen Staatsorchesters stand Nathalie Stutzmann, die mit ihrem präzisen Dirigat zusammen mit dem Orchester gefeiert wurde.
Anfangs steht der Pakt von Faust mit Méphistophélès und die dazugehörige Verwandlung eines alten Manns im Rollstuhl zu einem attraktiven Jüngling im Zentrum der Handlung. Im weiteren steht der Strang von Goethes Gretchentragödie und seinen Verwirrungen und inneren Kämpfen der Darsteller im Mittelpunkt. Dank der Dramaturgie des Komponisten in Kontrasten stehen Trinkszenen oder große Chorszenen intimen Balladen oder lyrischen Duetten gegenüber. Die Musik schafft ein romantisches und intimes Klangbild abgelöst durch monumentale und mächtige Musik.

Die neue Inszenierung bekommt eine starke Unterstützung durch die Gestaltung des Bühnenbilds (Bühnenbild: Christof Hetzer). Auf einer Drehscheibe sind drei unterschiedlich große Wände wie Tortenstücke aufgestellt. Der metallen schimmernde Hintergrund bietet viele Möglichkeiten der Beleuchtung und der Projektion. Eindrucksvoll zeigt sich dies als Faust seine Unterschrift unter den Vertrag setzt und in einer Projektion sich Flüssigkeit wie Tinte oder Blut in eine schemenhafte Frauengestalt verwandelt.
Durch die Drehkonstruktion lassen sich die sehr eindrucksvollen Chorszenen mit Duetten oder sogar Stilleben mit Leichtigkeit wechseln. Es entstehen ständig neue Räume und wenn diese Tortenstücke als Wände die Bühne teilen, so entwickeln unterschiedlich wirkende Bilder, auf der beispielsweise zwei Paare singen, in einer ganz anderen Stimmung und dennoch mächtig geteilt von den Wänden. Es entstehen immer starke Bilder, die ihre Wirkung auf das Publikum nicht verfehlen.

Die Regisseurin Lotte de Beer möchte die Oper wieder näher an Goethes Faust bringen, indem sie unter anderem die philosophische Frage nach der Definition eines guten Lebens stellt. Anhand des Pakts mit Méphistophélès werden die weitreichenden Auswirkungen in den Fokus gerückt, die unser aller Entscheidungen haben. In der Inszenierung werden sie in aller Tragik deutlich.
In seinem Rollendebüt als Faust glänzt Jonathan Tetelman. Er begeistert das Publikum mit seinem kraftvollem und warmem Tenor gepaart mit großer Spielfreude. Die weibliche Hauptrolle gestaltet Olga Kulchynska. Als Marguerite (Gretchen) überzeugt sie mit starker darstellerischer und stimmlicher Präsenz auf Augenhöhe mit den anderen Darstellern. Raffiniert und gerissen gibt Kyle Ketelsen einen Méphistophélès, den teuflischen Gegenspieler, der nicht nur gesanglich omnipräsent ist.
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern
Fotos: Geoffroy Schied

