Faust als Oper im Nationaltheater in München
24. Februar 2026
Faust als Oper im Nationaltheater in München
24. Februar 2026

Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter neu gestaltet im Lenbachhaus München

Wassily Kandinsky - Improvisation 19 - Improvisation 21 a - bekannte und beliebte Motive des russischen Künstlers

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierte sich in München ein Kreis von Künstlerinnen und Künstlern. Sie hatten die Vision, die Kunst zu erneuern und die Gesellschaft zu verändern. Der Blaue Reiter war jedoch mehr als das: Es war ein Netzwerk des Austauschs, das kulturelle Unterschiede als kreative Ressource verstand. Viele von ihnen lebten unkonventionelle Lebensentwürfe, stellten Geschlechterrollen in Frage und suchten nach neuen Formen der Darstellung jenseits bürgerlicher Normen. 

Jetzt wurde die international bedeutende Sammlung neu sortiert und neu gestaltet. Einzelne Räume haben bewusst gewählte Farbgebungen und einige Werke wurden schon lange nicht mehr gezeigt oder waren auf internationaler Reise. Dazu zeigt das Lenbachhaus innerhalb der 150 Arbeiten auch viele Neuerwerbungen. Darauf ist Matthias Mühling, Direktor des international renommierten Hauses, sehr stolz.

Gabriele Münter – Segal sitzend (1928) und Dame im Sessel, schreibend (1929) – zwei Neuerwerbungen im Münter-Raum

Besonderes Augenmerk gilt den Künstlerinnen innerhalb der Bewegung. Die Werke Gabriele Münters mit expressiver Malerei haben diesmal einen eigen repräsentativen Raum bekommen. In einer von Männern dominierten Kunstwelt schuf sie ein äußerst vielfältiges Werk, das sich über sechs Jahrzehnte erstreckt. Neben ihren intensiven Kontakten zu den Künstlern der Blauen Reiters baute sie auch eine beachtliche Sammlung ihrer und der Werke ihrer Künstlerkollegen auf. Während der Zeit des Nationalsozialismus versteckte sie ihre eigenen Werke und ihre Sammlung des Blauen Reiter in ihrem Haus in Murnau. Anlässlich ihres 80. Geburtstags 1957 stiftete sie die Sammlung dem Lenbachhaus. So begann der Aufstieg des Lenbachhauses zum zentralen Ort zur Erforschung und Vermittlung der Kunst des Blauen Reiters.

Wilhelm Morgner: Ornamentale Komposition XIII (1912) – Neuerwerbung – Linienmuster aus Komplementärfarben in zeichnen sich durch Verdichtung und das Ineinandergreifen von Linie und Form aus.

Ein besonderer Blickfang sind zwei Werke des in Soest geborenen Wilhelm Morgner. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern des westfälischen Expressionismus. Morgners Begegnung mit Franz Marc 1912 in Berlin war folgenreich: Beide verband ein pantheistisches Denken, das alles Lebendige als Teil eines sinnhaften Ganzen begreift. Und so war es folgerichtig, dass zwanzig Zeichnungen Morgners in der zweiten Ausstellung des Blauen Reiter gezeigt wurden. Jetzt werden zwei Großformatige Werke erstmals im Rahmen der Sammlung gezeigt.

Der neu gestaltete Aufbau der Sammlung gibt also einige Überraschungen und Neues preis und ist einen Besuch bin zum 5. September 2027 wert.

Fotos: Joachim Skambraks
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern

Alexej von Jawlensky – Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff (1909) – eines der bekanntesten Werke in der Sammlung des Blauen Reiters

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