Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter neu gestaltet im Lenbachhaus München
10. März 2026
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Neuer Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper München

Die umjubelte Sopranistin Serena Sáenz brilliert im Rollendebüt als Gilda. Foto: Geoffroy Schied

Rigoletto ist die erste Oper von Giuseppe Verdi, die sofort nach ihrer Uraufführung 1851 ein Welterfolg wurde. Als Hofspaßmacher seines Herzogs ist Rigoletto nichts heilig, da regieren Zynismus und Lüsternheit. Privat hält er seine junge Tochter vor der bösen Welt verborgen. Doch es gelingt ihm nicht. Am Ende ist sie tot, weil sie sich selber dem Geliebten opfert. Auch wenn sie weiß, dass er ein Weiberheld ist. So nimmt die Geschichte den denkbar schlimmsten Ausgang. 

In der Neuproduktion von Verdis Rigoletto an der Bayerischen Staatsoper in der Inszenierung von Barbara Wysocka geht es um Macht, Sex, Liebe, Abhängigkeit und Angst.

Rigoletto, Ensemble. Die modulare Bühnen-Szenerie von Barbara Hanicka entwickelt eine monumentale Wirkung. Der Fokus liegt auf den Personen und ihren wechselhaften Beziehungen zueinander. Foto: Geoffroy Schied

Anfangs feiert die feine Gesellschaft ausgelassen in Abendkleidern und Smoking. Der Herzog von Mantua (herausragend Tenor Bekhzod Davronov) will beweisen, welch Frauenverführer er ist. Die Frauen, die an der Party teilnehmen, entblößen teilweise ihre Brüste im Rausch der Party. Hier scheint eine MeToo-Bewegung weit weg zu sein, sobald Frauen in die Gegenwart von Macht und Geld geraten. Das ist sicher ein sehr überspitzter Spiegel auf unsere Zeit und Gesellschaft. So finden sich durchaus Anspielungen zu den machtgierigen Politikern und ultrareichen Milliardären von heute auf. Vielleicht ist das gewollt, aber auf jeden Fall stimmig.

Dass dann der letzte Akt in einem BDSM-Studio spielt, legt viele heutige Wahrheiten offen. Die Schönen, Reichen und Mächtigen der Gesellschaft, die zuerst in Abendkleidern und Abendgarderobe feierten, lassen sich jetzt in dunklen Kellern erniedrigen. Hier haben die Frauen die Macht. Es ist in der Doppelmoral schick geworden, die Frauen zu bezahlen, schlecht behandelt zu werden oder wie ein Hund durch die Gegend geführt zu werden.

Und da nimmt das Übel auch seinen Lauf. Rigoletto (Bariton Ariunbaatar Ganbaatar erstmals an der Bayerischen Staatsoper mächtig und mit starker Bühnenpräsenz) beauftragt, den Herzog töten zu lassen. Doch seine junge Tochter Gilda (die umjubelte Sopranistin Serena Sáenz brilliert im Rollendebüt) opfert sich in ihrer Liebe, damit der Herzog überleben kann. Ob das heutzutage noch eine Frau tun würde, steht in Frage.  

Bariton Ariunbaatar Ganbaatar als Rigoletto und Sopranistin Serena Sáenz als Gilda. Foto: Geoffroy Schied

Im dritten Akt erklingt dann auch das Lied des Herzogs über die ungetreuen Frauen. Es ist einer der größten Hits der Operngeschichte. „La donna è mobile“ – „O wie so trügerisch sind Frauenherzen.“ Es handelt sich um die Canzone des Herzogs im 3. Akt der Oper, als sich dieser inkognito mit Maddalena (Elmina Hasan) vergnügt. Danach folgt das großartige Quartett zwischen Herzog und Maddalena sowie Rigoletto und Gilda.

Die Musikalische Leitung liegt in den Händen Maurizio Beninis, einer der führenden Experten für die italienische Oper des 19. Jahrhunderts. Er dirigiert sehr zurückhaltend und lässt besonders den Arien und Duetten viel Raum. Die Musik ist gleichzeitig schlagkräftig, punktgenau und unterstützt durch mitreißende Musik die Dramatik der aktuellen Themen.

Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern
Fotos: Geoffroy Schied

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