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13. Mai 2026
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Carrying – Welche Geschichten tragen Orte (in sich)? – Ausstellung im Museum Brandhorst

Jaune Quick-to-See Smith - Trade Canoe - das Handelskanu als wiederkehrendes Motiv. Foto: Joachim Skambraks

Räume tragen und erzählen Geschichten. Räume erzählen oder dokumentieren auch Identität. Welche Räume erzählen welche Geschichten über welche Menschen? Mit „Carrying“ aktiviert das Museum Brandhorst Räume innerhalb und außerhalb des Hauses. Werke der internationalen Künstlerinnen Hêlîn Alas, Cana Bilir-Meier, Louise Lawler, Kate Newby, Tiffany Sia, Jaune Quick-to-See Smith und Leyla Yenirce besetzen historisch aufgeladene Orte und Bereiche des Museums und im öffentlichen Raum.

Jaune Quick-to-See Smith – Trade Canoe – das Handelskanu als wiederkehrendes Motiv. Es steht als zentrales Bild in der Erzähltradition für Mobilität und Austausch, hier aber auch stellvertretend für den Handel als kolonisatorische Waffe. Im „Lepanto“-Saal tritt das Kanu im direkten Dialog mit Cy Twomblys gleichnamigem Zyklus (2001). In der dort dargestellten Seeschlacht von Lepanto kämpfte 1571 auch der spanische Autor Miguel de Cervantes, der 30 Jahre später den Roman Don Quijote verfasste. Foto: Joachim Skambraks

An spezifischen Orten wie Cy Twomblys „Lepanto“-Saal oder dem „Türkentor“ begreift „Carrying“ das Museum als einen Resonanzraum, in dem die Institution ihre eigene Geschichte und Identität untersucht – und lokale Ansätze mit globalen Fragestellungen verbindet. Einige der Werke sind anlässlich von „Carrying“ entstanden und stehen in unmittelbarem Austausch mit ihrem Ausstellungsort.

Louise Lawler – Crazy – eine sich knapp über dem Boden drehende Discokugel – wirft Lichter und eine Lasershow aus roten und grünen Punkten durch den Raum im „Türkentor“, einstiger Eingang einer Militärkaserne, die 1944 ebenfalls durch alliierte Luftangriffe zerstört wurde, beherbergt heute permanent Walter De Marias monumentale Skulptur Large Red Sphere. Lawlers Werk tritt in einen Dialog mit einem Ort, an dem sich (Ge-)Schichten von Krieg und Zerstörung, territorialem Streben und kultureller Besetzung überlagern. Foto: Joachim Skambraks

Auf dem Gelände des Museum Brandhorst und des gesamten Kunstareals stand früher die Prinz-Arnulf-Kaserne, auch „Türkenkaserne“ genannt. Der Name des 1826 errichteten Militärkomplexes geht auf Kriegsgefangene zurück, die Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich zur Zwangsarbeit nach Bayern gebracht wurden. Diese Geschichten haben sich in Namen wie der „Türkenstraße“ und dem „Türkentor“ eingeschrieben.

Leyla Yenirce – Company – eine für das Museum Brandhorst geschaffene Installation von 8 Bildern, die Malerei und Sound verwebt. Durch Schichten und Collagieren verhandelt sie Strukturen des Widerstands und der Repräsentation. Durch Siebdruck einzeln oder wiederholt auf die Leinwand übertragen, sind die Porträts umgeben oder überlagert von gestischer Ölmalerei und pastosen Farbwolken. Viele der Dargestellten sind als Freiheitskämpferinnen, Aktivistinnen oder Verfolgte gestorben. Foto: Joachim Skambraks

Als Teil der Ausstellung (bis zum 8. November 2026) findet ein umfangreiches Programm mit Artist Talks, Dialogformaten, Workshops und Filmprogrammen statt.

Fotos: Joachim Skambraks
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern

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