„Zeichen der Zeit“ von Friedemann Gottschald im Neuen Rathaus Bayreuth
20. März 2026
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20. März 2026

Komödie von Bertolt Brecht „Die Hochzeit“ an der Studiobühne Bayreuth

Die Hochzeit - Szenenbild mit Ensemble und Sahnesucht - Foto: Thomas Eberlein

Bertolt Brecht zeigt sich in dem Einakter „Die Hochzeit“ noch nicht als Dramatiker des epischen Theaters, sondern als Komödienschreiber. In seinem Stück beschreibt Brecht die allen bekannte Szenerie einer Familienfeier. Und das vor 100 Jahren. Die Inszenierung ist so angelegt, dass dieses ins Verderben führende Ereignis heute spielen könnte. Oder mit anderen Worten: Familienfeiern, die zum scheitern verurteilt sind (und das sind sicher nicht alle), haben sich seit über 100 Jahren nicht verändert. 

Der Regisseur Michal Sykora hat die Dramatik des Stoffes und dessen komödiantisches Potenzial erkannt. Mit den Mitteln aus Slapstick, Clownerie, Tanz und Pantomime lässt er den Schauspielern viel Raum, die Wucht der Brecht’schen Gesellschaftskritik auszuspielen. Übertreibungen und ein geschickter Wechsel im Tempo sorgen für groteske Situationen, die gleichzeitig die Beziehungssituationen der Gäste filetieren. Der schönste Tag im Leben einer Ehe geht auch durch die geschickte Gestaltung der Rollen schief.

Eine Handlung hat das Stück im wirklichen Sinn nicht. Einfach eine Hochzeitsfeier, die in der kompletten Zerstörung endet. Deshalb soll hier die Ensemble-Leistung gewürdigt und die Darsteller einzeln erwähnt werden:

Die Hochzeit – Szenenbild mit „Trinkrhythmus“ – Foto: Thomas Eberlein

Die Braut (Lisa Friedrich), ungewollt schwanger, wandert durch alle Gemütslagen von verzweifelt über freudig und feiernd bis hin zu lüstern und durchtrieben.

Florian Kolb gibt einen bodenständigen Bräutigam und Handwerker. Zunehmend gerät er in Ärger und Zorn über seine selbstgebauten Möbel, die eines nach dem anderen zusammenbrechen und kaputt gehen. Das erzeugt sehr dick aufgetragene groteske Situationen.

Der Vater der Braut wird ausladend verkörpert von Wolfram Ster. Der alte, rüstige Rentner und Vater der Braut ist vom Irrglauben verfallen, seine überholten und überlangen Geschichten könnten noch bei irgendwem Begeisterung erzeugen. Doch die Gäste haben vorgesorgt. Sie wissen sich immer mit einem Prost, einer Unterbrechung oder einem vorgezogenen Ende dieser Geschichten zu entwinden.

Klaus Meile agiert im Hintergrund als Mutter des Bräutigams und wird so äußerst präsent. Besser als Klaus Meile auf den Punkt bringen, was die typische kleinbürgerliche Mutter ausmacht, kann wahrscheinlich auch keine Frau.

Emily Stolte als sinnlich-laszive, sahnesüchtige Schwester der Braut überrascht mit ihrer Entschlossenheit, ihr Gesicht in die Sahne des Nachtisches zu stürzen und beim Spiel mit der Sahne aufrichtig zu bleiben. Aufreizend beginnt sie das Techtelmechtel mit dem jungen Mann.

Der junge Mann, gespielt von Fabian Dörnhöfer, ist ein auf wohlgebildet machender Emporkömmling, dessen Werben um die Schwester der Braut (und umgekehrt) nach dem Nachtisch beim gemeinsamen Vernaschen unter dem Tisch endet.

Oliver Hepp als Freund des Bräutigams wird zum selbstgefälligen Akteur, der seinen Vorteil suchend immer besser in Stimmung kommt, je näher sich das Essen dem Chaos nähert.

Als Mann der schicken Frau wird Jürgen Skambraks derartig zum peniblen Kleinbürger mit unvorteilhafter Brille, dass er schon wieder nett wird. Seine anspruchsvolle Frau hasst er glaubhaft. Seine Blicke, besonders in den kleinen stillen Momenten sprechen Bände.

Die schicke Frau (von Maria Weber in Szene gesetzt) ist sehr auf Äußerlichkeiten und Designerkleidung bedacht. Die Sonnenbrille erscheint wichtiger als die Menschen. Die Hassliebe zu ihrem Mann beruht wohl auf dem gegenseitigen Wissen, den anderen zu brauchen, aus welchen Gründen auch immer. 

Die Hochzeit – Szenenbild mit Hochzeitsnacht – Foto: Thomas Eberlein

Ein wichtiger Aspekt in der Inszenierung sind die stummen Blicke, das endlose Schweigen, Pausen und das gemeinsame Trinken von Alkohol, das im gemeinsamen Rhythmus geschieht. All diese Methoden und Mittel nutzt der Regisseur, um Spannung aufzubauen und Geschichten über die Beziehungen zwischen den Menschen zu erzählen. Das wirkt stärker als jeder harte Monolog und legt vieles offen.
Für das Brautpaar endet die Hochzeit nach allen Konflikten doch versöhnlich. Und das Publikum feiert den Abend und die Schauspieler. Prädikat sehenswert.

Fotos: Thomas Eberlein
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern

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