Premiere der Apollon Foyers in den historischen Prunksälen des Nationaltheaters München
11. Mai 2026
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11. Mai 2026

Ein Ferngespräch – Szenen aus der Weimarer Republik im Lenbachhaus eröffnet

Eva Regina Hildenbrand - Casino-Szene mit sechs Marionetten, 1925 - Mann in schwarzem Anzug - Frau mit Abendkleid - Alter Mann mit Krücke - Sängerin - Frau mit gelbem Kleid - Frau mit langem Kleid und rotem Haar - Foto: Joachim Skambraks

Wie könnte man eine Ausstellung mit Kunstwerken der Weimarer Zeit gestalten und dramaturgisch aufarbeiten? Mit diesen wichtigen Jahren verbinden Menschen die unterschiedlichsten Gedanken und Inhalte. Die goldenen Zwanziger mit Lebenslust, Charleston und ausgiebigem Nachtleben, Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise bis hin zum Aufstieg der Nationalsozialisten und dem antifaschistischen Widerstand dagegen. Die Ausstellungs-Macher des Lenbachhauses konzentrieren sich auf Geschichten, greifbare Details und klare Themen. So sieht man in der Ausstellung, wie Menschen in der Weimarer Republik gelebt haben.

Kurt Tucholsky merkt süffisant an: „Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß Sie möglichst langsam und möglichst dialektfrei sprechen; der Telephonverkehr für solche Gespräche, wie Sie eines angefordert haben, ist zwar freigegeben – aber nur unter der Bedingung, daß der dortige Überwachungsbeamte den Gesprächen zu folgen vermag.“ – Foto: Joachim Skambraks

Schon am Eingang begrüßt den Besucher ein Gemälde von Käthe Hoch, das auch den Titel für diese besondere Gestaltung liefert: Ein Mann, der ein Telefonat führt. Die gesamte Ausstellung ist sozusagen wie ein Telefon-Anruf in die Vergangenheit: Also ein Fern-Gespräch mit einzelnen Kapiteln und Themen. Beispielhaft dafür stehen: Bubikopf, Nachtleben, Neue Bauweise, Der Schiss, Boxkampf, Wirtschaftskrise oder Neues Theater.  Zu den Fotos aus der Ausstellung gibt es diesmal längere Texte zum Genießen.

Nachtleben: „Nachts wurde es immer sehr spät – Man ist zum Lebendigsein geboren und nicht zum Schlafen-gehen.“ – Rut Landshoff, Die Vielen und der Eine, 1930 – Foto: Joachim Skambraks
Der Kinnhaken: „Aber dann hatte er plötzlich ein Tempo wie ein Propeller und dazu ein Hineingehen wie mit fünfzig Pferdekräften, und am Schluß war der ganze Mann wirklich ein einziger Kinnhaken.“ Bertolt Brecht, 1926 – Foto: Joachim Skambraks

Die Weimarer Republik war von 1918 bis 1933 die erste Demokratie in Deutschland.
Kleine Details und grafische Kommentare garnieren die Gestaltung und Texte in der Ausstellung. Auch die gesamte Präsentation der Kunstwerke gewinnt durch außergewöhnlichen Aufbau und asymmetrischer Hängung. So bekommt das Konzept eine Leichtigkeit, die einem mit einem Lächeln durch leichte und erste Themen begleitet.

Die abwechslungsreiche Komposition der Ausstellung ist bis zum 27. September 2026 im Lenbachhaus München zu sehen.

„Der Korpsstudent: Man trifft ihn in Kneipen, auf Mensurböden und bei völkischen Veranlassungen …, auch in Hörsalen. Die theologische Theorie, daß Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen, leugnet der Student in praxi durch Gesichtstätowierungen, die er ,Schmisse‘ nennt. Also projiziert er Gefühle und Überzeugungen nach außen, er selbst eine wandelnde Phrase, von Traditionen und Bier genährt, und durch die unwahrscheinliche Geduld seiner deutschen Mitmenschen am papiernen Leben erhalten. Da er keinen Inhalt mehr hat, lebt er als eine Schale weiter; und gleicht etwa einem bunten Lampion am Morgen nach einem Fest.“ – Joseph Roth, Der Korpsstudent, Vorwärts, 24. 2. 1924 – Foto: Joachim Skambraks

Fotos: Joachim Skambraks
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern

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