
Tomás Saraceno in collaboration. Verwobene Welten im Haus der Kunst
17. Juli 2026Alcina von Georg Friedrich Händel bei den Opernfestspielen München
Alcina 2026 - Jeanine De Bique - C. Tinney - Foto: Geoffroy Schied
Zum Abschluss der Spielzeit entführt die Bayerische Staatsoper ihr Publikum auf eine Zauberinsel zu Georg Friedrich Händels „Alcina“ in der Inszenierung von Johanna Wehner.
Unter der Musikalischen Leitung von Barockspezialist Stefano Montanari begibt sich das Bayerische Staatsorchester auf den Weg einer historisch orientierten Aufführungspraxis. Es kommen erstmals historische Instrumente in barocker Stimmung sowie Barockbögen, Darmsaiten und barocke Spieltechniken zum Einsatz. Das klingt im ersten Eindruck ungewöhnlich und entwickelt mit dem Lauf der Zeit seinen eigenen Reiz.

Alcina hat alles, was eine Frau sich so wünscht: Macht, Schönheit, magische Kräfte, ein Königreich, treue Untergebene und einen Ruf, der weit über ihre Insel hinausreicht. Doch selbst das reicht nicht immer. Ihrem Ruf folgend gelangen Männer auf ihre Insel. Tatsächlich glaubt sie immer noch an die wahre Liebe. Und immer wieder wird sie schwer enttäuscht. Ist sie eine Frau, die funktionieren muss und sich gleichzeitig nach wahrer Liebe sehnt? Und gleichzeitig wird sie ständig verletzt und enttäuscht. Für Regisseurin Wehner steht eine ganz besonders Frage im Zentrum: Wie viel muss ich sein, damit ich genug bin?
Solange Alcina die Männer, die sie verführt hat, nicht liebt, kann sie einen Zauber auf sie legen. Wenn sie dann an ihnen die Lust verloren hat, verwandelt sie diese in Steine,Tiere oder Skulpturen. Als sie wirklich beginnt, sich zu verlieben, verliert sie ihre Macht und ihre Zaubergabe.

In ihrem Palast hat Alcina viel Luxus aufgehäuft. In dem Bühnenbild wird es durch Designersessel und Klassikern der Sitzgelegenheiten dargestellt. Aber das ist alles, wie man so heute sagt, ein Fake. Eigentlich ist ihr Wohnsitz eine kahle Insel. Das wird im zweiten Teil des Abends deutlich. Als ihre Macht und ihr Zauber geschwunden sind, tragen die Bediensteten exemplarisch Möbel und Kunstwerke aus ihren Räumen. Das Bühnenbild von Benjamin Schönecker und die Kostüme von Ellen Hofmann sind in dieser Inszenierung hervorzuheben. Der bespielte Raum wird nur durch zwei Wände und dem Boden begrenzt. Alles steht sichtbar im leeren schwarzen Bühnenraum und bekommt so eine provisorische und zeitgebundene Qualität. Eine schöne Idee ist auch, verflosseneLiebhaber als goldene Skulpturen darzustellen, die am Ende wieder zum Leben zurückkehren. Die Inszenierung selber gerät an manchen Stellen eher langatmig. Der Prozess der einzelnen Abläufe ist: Die singende Person tritt auf, singt beeindruckend mit schöner Musik, tritt wieder ab, Beifall. Da könnte etwas mehr Personenregie und Interaktion die Gesamtinszenierung lebendiger machen.
Als Alcina überzeugt Jeanine De Bique zusammen mit John Holiday als Ruggiero. Elsa Benoit singt sich als Morgana, Schwester von Alcina in die Herzen des Publikums genauso wie Avery Amereau als Bradamante, Verlobte von Ruggiero. Großen Jubel erhält auch das Orchester.
Foto: Geoffroy Schied
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern

