Of One Blood – Uraufführung  einer zeitgenössischen Oper in der Bayerischen Staatsoper
19. Mai 2026
Of One Blood – Uraufführung  einer zeitgenössischen Oper in der Bayerischen Staatsoper
19. Mai 2026

Der Ring des Nibelungen von Necati Öziri zum 150-jährigen Jubiläum der Bayreuther Festspiele

Der Ring des Nibelungen mit Erda Lukas Stühle) im Vordergrund - Foto: Thomas Eberlein

In der deutschen Musik- und Kulturgeschichte ist der „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner sicher eines der prägendsten Werke. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der ersten Bayreuther Festspiele im Jahr 1876 bringt die Studiobühne Bayreuth eine weitere Fassung dieses fulminanten Werks auf eine besondere Bühne: Die Alte Malerei der Porzellanfabrik Walküre am Fuße des Grünen Hügels. Diese ehrwürdige Fabrik steht seit Jahren leer und alle Maschinen wurden entfernt. Nur wenige Spuren, wie Förderschienen oder oder ein Ziegelpodest, erinnern noch an an die guten Zeiten der weißen Kunst. Auch wenn der Titel „Ring des Nibelungen“ lautet, so ist der „Ring“ nur der Ausgangspunkt für die Bühnenfassung von Necati Öziri in der Regie von Stefan Schneller. 

Der Ring des Nibelungen mit Arda (Nihan Özcan) im Vordergrund – Foto: Thomas Eberlein

Die erste halbe Stunde hat ein Neffe Arda (sehr lebendig gespielt von Nihan Özcan) eines fiktiven Onkels. Ihm wird angeboten die Regie für den „Ring“ zu machen, obwohl er davon keine Ahnung hat. Im Folgenden werden sehr ausführlich sein Verhältnis zur Oper, zum Wagnerstoff sowie die feine Gesellschaft geschildert. Hier, wie im ganzen Stück, gehen dem Autor machmal die Pferde durch und er wechselt von Thema zu Thema zu Provokation. Hier wird es an vielen Stellen langatmig und anstrengend. Mehr Kürze in der Sprache und die Fokussierung auf relevante Themen würden der Prägnanz des Stückes gut tun. Denn der Autor des Stückes beweist genauso an vielen Stellen des Stückes seine Gabe pointierte, gleichzeitig witzige und inhaltstragende Texte und Sätze zu formulieren. So fragt sich Arda: „Darf ich, bei dem zuhause kein Klavier rumstand, nicht mal ne Blockflöte, bei dem den ganzen Tag SuperRTL lief, dem abends keine Mythen vorgelesen wurden, für den Wagner eine Tiefkühlpizza der gehobenen Preisklasse war… Kann ich bei „dem Ring“ überhaupt mitmachen?“

Auch die Kurzbeschreibung der Handlung von „Rheingold“ gerät durch die Jugendsprache zu einem Bonmot des Abends: „Als dann aber Wagners listiger, lüsterner, goldgeil- antisemitischer Stereozwerg Alberich den Rheintöchtern an die Wäsche will, verarschen die ihn richtig hart, weil er so hässlich ist, die mobben den Zwerg so lange, bis der irgendwann sagt „Ja dann fickt euch doch! Wenn ihr mich nicht wollt, dann nehm‘ ich euch jetzt halt das ganze Gold weg, das ihr eigentlich bewachen sollt.“

Unterbrochen von einigen Liedern (bezaubernd Lele Suendorf auch als Brünnhilde) und Tanzeinlagen folgen Monologe aneinander gereiht. Eine Handlung oder einen Spannungsbogen gibt es eigentlich nicht. Der Rezensent fragt sich, ob ein schnelleres Wechseln in den Monologen mehr Spannung und Tempo hätte erzeugen können.

Jede der auftretenden Figuren reflektiert seine Situation, stellt berechtigte Fragen oder interessiert mit philosophischen Gedanken. So äußern Fasolt und Fafner (hier im Stück Geschwister Dev, Oliver Hepp und Clara Renner als eingespieltes Paar) ihre Bedenken: „Haben die höchsten Götter denn keine eigenen Arme und Beine und Rücken, um ihre Festung zu bauen?“

Auch die Bemerkung „ja sicher, wer ein Haus baut, der braucht keine Jugend mehr.“, gibt sicher zum Denken Anlass.

Der Ring des Nibelungen mit Lele Suendorf im Vordergrund – Foto: Thomas Eberlein

Ebenso der Monolog von Pseudo-Wotan (ein sehr wandelbarer Pierre Soldatenko) meist in der dritten Person gehalten hat viele Diamanten in sich. So kommt er in seiner Reflexion zur Erkenntnis: 

„Denn was sonst soll er machen, jetzt, da man die eigene Zeit vorbei weiß, als sich jenes, vor das letzte Auge zu führen, das man geschaffen hat? Man fragt sich: Hab ich in meinem Leben etwas erreicht?“

Zwar beginnt der Vortrag etwas statisch, doch zunehmend stellt er gute Fragen und sein Handeln wird lebendiger, fast tänzerisch. Als er dann sogar durch die Publikumsreihen läuft, knistert es im Publikum.

Schön ist die Szene, wie der Tod des Drachen (Oliver Hepp, Pierre Soldatenko, Lukas Stühle) anders erzählt wird. Da wird es nicht nur durch die Unterstützung der Choreografie der Tänzerinnen lebendig.

Auch wenn der Autor vielleicht zu viele Themen anspricht und sich in allgemeiner Gesellschaftskritik verliert, so hat das Stück seine Berechtigung und ist in dieser Zeit notwendig.

Und Wotan hat eine weitere hoch aktuelle Erkenntnis:
„Es gibt aber keinen Monolog der Demokratie! Eine Gemeinschaft monologisiert nicht stundenlang, Demokratie als Monolog ist Populismus.“

Fotos: Thomas Eberlein
Text: Joachim Skambraks – Chefredakteur Bayern

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